Juli 2021 im Keller

Fr 2.7. 10:30 Friederike Mayröcker, 1924 bis 2021. «Lieber Hermes Phettberg (…) Ich trage wie Sie einen Fischgrätmantel, Sie tragen wie ich einen Fischgrätmantel, ich trage wie Sie einen Plastiksack, Sie tragen wie ich einen Plastiksack, ich trage wie Sie lange Haare, die sich am Hinterkopf teilen und vice versa (..) lieber Hermes Phettberg, bitte machen Sie mir nicht alles nach = vielleicht sind Sie mein ready-made.» Hauchfein, hauchdünn, jedenfalls einzigartig war der Humor von Friederike Mayröcker, die am 4. Juni im Alter von 96 Jahren starb. «Die größte Dichterin der deutschen Sprache», stand in den größten Medien der deutschen Sprache. Es ist völlig unmöglich, diesen Verlust zu verkraften, jedenfalls ist das nicht die Intention der Perinetkeller-Crew, die für diesen Erinnerungsabend Menschen eingeladen hat, die in das FM-Magnetfeld gerieten: Unter ihnen Matthias Fallenstein und Linde Waber. Ersterer würdigt in diesem Zusammenhang auch seine Frau Christel, die – bevor sie 2015 starb – seit 1996 täglich ihre Freundschaft mit FM ausleben konnte.

Sa 3.7. Hommage an Rudolf Schwarzkogler. Eine Nachbestattung für den Mutigsten. Treffpunkt Zentralfriedhof, Tor 1, um 14.00 Uhr. Wolfgang Koch (Friedhofs-Guide und publizistischer Begleiter der Avantgardegrößen Hermann Nitsch und Viktor Rogy) spaziert mit den TeilnehmerInnen zu jenem aufgelassenen Grab, in dem einer der «Wiener Aktionisten» seine letzte Ruhe gefunden hat: der melancholische Fotokonzeptionist der Wiener Happening-Szene Rudolf Schwarzkogler (1940-69). Wir erinnern für einen Nachmittag daran, was das Kulturamt der Stadt Wien an diesem Nichtort versäumt hat.

Di 6.7. BRUS DAY 21 – Tag der Kunst im öffentlichen Raum. Schon der Brus Day 2020 war ein gelungener Event der Kunstausübenden Österreichs. Am Abend danach traf man sich zum Abfeiern und Berichten im Perinetkeller. Der heurige Brus Day steht nicht nur unter dem Eindruck der Repressionen und Berufsverbote für die Kunst-Szene anlässlich der Covid 19-Pandemie, sondern auch der gleichzeitig geschürten Ausspielung der Kunstschaffenden gegeneinander. An jedem 6. Juli sind Künstler und Künstlerinnen jedes Genres zur Mitwirkung eingeladen. Zur Wahl des Datums: am 6. Juli 1965 absolvierte der Aktivist Günter Brus seinen «Stadtspaziergang», der mit seiner Festnahme endete. Info: brus.day@chello.at, F: 01 954 13 09, M: 0664 466 17 25 (Félix).

Fr 9.7. 19:30 Joe Berger im Club 2. Wo sind die guten Sitten hin? Damals, als der ORF seinen Öffentlichkeitsauftrag ernst nahm und in unzensurierter Echtzeit nächtens einen Club 2 über die Bildschirme flimmern ließ, wurde noch ohne Redezeitbeschränkung diskutiert. Manchmal erhitzte er die Gemüter der Stadt. Der legendäre Club mit Nina Hagen war einer davon, die Debatte zum Thema «gute Sitten» mit der klirrendsten und brausendsten Verkörperung des Wiener Undergrounds, Joe Berger, ein anderer. Im Perinetkeller die ganze Länge! Prädikat: sehenswert!!!

So 11.7. 11:00 Zu gut für diese miserablen Filme – Joe Berger-Filmmatinee im Perinetkeller! H.C. Artmann hat sich einmal launisch in der «schule für dichtung» über Joe Berger geäußert: «… ein hervorragender Schauspieler, in diesen schlechten österreichischen Filmen war er immer der einzige, der halbwegs natürlich gewirkt hat. Die Intensität und Eindringlichkeit, mit der Joe Berger seine Rollen verkörpert hat, bleiben unvergesslich. Polternde Revolte, Irritation und eine zärtliche Umarmung.» Beide Joe Berger-Hommagen mit Unterstützung von Elisabeth Streit, Österreichisches Filmmuseum.

Fr 16.7. 19:30 Buchpräsentation «Die Nase» von Bruno Jasieński. Mit Traude und Rudi Lehner (vom Theaterkollektiv des Augustin), Elisabeth Namdar (Übersetzerin) und Roxanne Szankovich (Violine). Mit der 1936 veröffentlichten Novelle «Die Nase» legt der frühere Futurist Bruno Jasieński eine aberwitzig-groteske Parodie auf die Nürnberger Rassengesetze von 1935 vor. Wer Ohren hatte zu hören, der konnte zu dieser Zeit schon alles hören und lesen, was Europa erwartete. Dem Wiener Verlag BAHOE BOOKS ist zu danken, dass diese Satire in diesem Land nicht in Vergessenheit geriet.

Juni 2021 im Keller

Sa 29.5. 19:30 VERFALLSLABOR – FINISSAGE. Der Verfall von seiner schönsten Seite. Seit Mitte März betreibt Halbs Mini-Museum im Perinetkeller das «Dependance Verfallslabor». In zahlreichen Videos (z. B. auf unserer Homepage www.perinetkeller.at) konnte man der Installation seither beim Wachsen und den verschiedensten integrierten Materialien beim Verfallen zuschauen. Zur Vervollständigung und Vollendung der Installation am 29. Mai gibt es: Einen Sonnenaufgang in Echtzeit. Zwei, drei weitere Tagesvideos, live performt, in analoger Form. Eine Volksabstimmung: Schmeißen wir das Zeug jetzt in den Donaukanal? Live-Musik. Kaltes Buffet. (Besonders auch wegen letzterem bitte eine ANMELDUNG an info@victorhalb.at) Wir bitten um einen verantwortlichen Umgang mit … eh scho wissen: Bitte nur GENESEN, GEIMPFT ODER GETESTET zu der Veranstaltung kommen.

So 13.6. 11:00 Film-Matinee: Kaurismäki, «Das Leben der Boheme». Hartnäckig hält sich das fremdenverkehrsfördernde Gerücht, es gäbe kein geeigneteres Habitat für die Boheme als die Wiener Literaturcafés der Zwischenkriegszeit. Dagegen suggerieren Filme des finnischen Regisseurs, nirgendwo sei die Szene der sich potenziell zu Boden saufenden liebenswürdigen Verrückten dichter als knapp unterm Nordpol. Kaurismäki hat freilich als Vorlage für seinen Film einen Roman des frühen französischen Underground-Dichters Henri Murger gewählt, der wiederum behauptet: «Die Boheme gibt es nur in Paris, sie ist nirgendwo sonst überhaupt möglich». Auftakt der Veranstaltungsserie «Ist die Boheme tot oder stirbt sie noch?»

Sa, 19.6. 19:30 Die Doppleranarchie. Fotos von Lisl Ponger. Die Fotokünstlerin aus Wien war von jenen Räumen magnetisch angezogen, die die vom 1968er-Tauwetter geprägten AvantgardistInnen aus den Genres Literatur, Musik, Theater und bildende Kunst besetzten, um die autoritäre Gesellschaft unentwegt zu testen: Wie hältst du es mit der Freiheit der Kunst? Viele der «AnstandserregerInnen», deren SW-Porträts an der Wand hängen, verweigerten die Zuordnung zur Boheme – aber das war auch nicht das Kriterium. Einige der Porträtierten standen naturgemäß in einem Naheverhältnis zum Perinetkeller, der ja ebenfalls ein «Kind» der Sechzigerjahre war. Pongers Fotos illustrieren den vor drei Jahrzehnten im Falter Verlag unter der Regie von Rolf Schwendter und Ferdinand Schmatz erschienenen Fotoband «Die Doppleranarchie» (noch erhältlich!). Im Anschluss an die Vernissage ersuchen wir KünstlerInnen. die Boheme aufzulösen oder wiederzubeleben – je nach gefühltem gesellschaftlichem Gebot… Man muss sich ja nicht unbedingt zu Tode saufen.

Mi 23.6. 19:30 Revolutionskonjunktivismus 1. Teil. Stell dir vor, du bist Revolutionär*in, aber es ist gerade nicht Revolution! Eine Belagerung der Festung Unmöglichkeit. E. Philonesia (Land-, Berg- und Stromfriedensbrecherin: Der radikale Diskurs des Werdenden. Barbara Eder (Autorin von AlienNation): Das Uneingeholte der iranischen Revolution. Pan Papillon (Anarcho-Konjunktivist, unbeliebt): Die tausendjährige Eiche, die revolutionäre Libido und andere unverschämte Biologismen in Jule Bombons Revolutionsphilosophie.

Do 24.6. 19:30 Revolutionskonjunktivismus 2. Teil. Jule Bombon: Die Möglichkeiten und der Automat. Roman über Konjunktivismus und den Mechano Sapiens. Konjunktivismus ist eine Umgangsform der Revolutionär*in mit der Abwesenheit von Revolution. Und: Die Elite versteht nicht, dass das Wesen des Lebens gerade darin besteht, nicht erschaffen worden und daher frei zu sein, zu nichts und niemandem zu dienen.

Fr. 25.6. 19:30 Revolutionskonjunktivismus 3. Teil. Jule Bombon: Der Mögliche und die Automatin. Zweiter Versuch über Konjunktivismus und den Mechano Sapiens. Der Postulat Wirklich umliest dich, Paul Desanex klaviert dich durch den Abend, du revoltierst und philosophierst gegen die Maschinwerdung der Dada-Künstlerin Baronesse Elsa von Freytag-Loringhoven. Gibt es etwa nach dem Revolutionskonjunktivismus auch noch den Sexualkonjunktivismus? Und lauert nicht die Maschinwerdung hinter dem ewigen Leben?


Der Perinetkeller ist das ehemalige Atelier der Wiener Aktionisten und wird seit Juni 2016 vom Institut ohne direkte Eigenschaften (IODE) ohne Subventionen betrieben. Spenden sind erwünscht. Kein Konsumzwang. Getränke gegen Spenden. Wir raten dringend, ein persönliches Glaserl mitzubringen – andernfalls droht der Plastikbecher. Klo am Platz (ca. 100 m).

 

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Mai 2021 im Keller

Do 29.4. 19:30 ENDLICH WIEDER SEX IM KELLER. Das musste kommen: Die Würdigung jener Nachbarn, die in den 60er Jahren bei jeder Veranstaltung von Nitsch, Brus und Otto Muehl Sexorgien vermuteten und nach der Polizei schrien. Besser kann man den Keller nicht bewerben! Vincenz Wizlsperger, Mitentdecker des neuen Perinetkellers, Sänger und Texter des Kollegium Kalksburg, rezitiert Gewagtes aus seiner eigenen PornoProduktion. Christoph Krutzler ist vor allem aus Volkstheater-Rollen bekannt, insbesondere jedoch aus Georg Schmiedleitners Inszenierung der Letzten Tage der Menschheit bei den Salzburger Festspielen, wo indigenes Publikum seinem eigenen Untergang applaudierte. Krutzler trägt im Keller unvergessliche 35 Seiten aus Pasolinis Romanfragment Petrolio vor. Auf diesen breitet Paolos alter ego Carlos seinen homoerotischen Rausch auf der Wiese an der Via Casilina aus. Wie das widerwärtige Sexualleben der Paviane den Autor von Brehms Tierleben zwingt, die affektlose Haltung des nüchternen Wissenschaftlers aufzugeben, demonstriert die Schauspielerin Margot Hruby. Kultursommerarbeiterin Tina Leisch umgibt ihren Beitrag mit einem Rätsel «Schreibt einfach: Tina macht Sex», hält sie die Spannung aufrecht. Richard Schuberth, Schriftsteller. Journalist, Dramatiker, Kabarettist, Satiriker, weiß auf Anhieb, was sich auf Mur reimt. Angefragt: Zsuzsi Vecsei.

Fr 7.5. 19:30 BENNENT LIEST WITTGENSTEIN. ich könnte sagen: wenn der ort zu dem ich gelangen will nur auf einer leiter zu ersteigen wäre, ich gäbe es auf dahin zu gelangen. Denn DORT WO ICH WIRKLICH HIN MUSS, DORT MUSS ICH EIGENTLICH SCHON SEIN. Was auf einer leiter erreichbar ist interessiert mich nicht. (…)
Die wahrheit über sich selbst kann man in dem verschiedensten geiste schreiben.
Im anständigsten und im unanständigsten.und danach ist es sehr wünschenswert oder sehr unrichtig,daß sie geschrieben werde. Ja es gibt unter den wahrhaften autobiographien die man schreiben könnte alle stufen vom höchsten zum niedrigsten. Ich zum beispiel kann meine biographie nicht höher schreiben als ich bin.
Der Keller startet hochkarätig, tonangebend und namhaft. Der weltberühmteste österreichische Philosoph starb vor 70 Jahren (29. April 1951). Eine Unzahl unter denen, die sich auf seine Texte einlassen, tun das aber in Würdigung ihres poetischen Gehalts und nicht aus Übereinstimmung mit dem philosophischen Gehalt von Wittgensteins Oeuvre. Dürfen sie das? Tatsache ist: Von Wittgensteins Sprache sind viele Dichterinnen und Dichter beeinflusst worden. Ein anders gelagertes Genie mäandriert zwischen Perinetkeller und den Theatern der Welt. Sie arbeitete mit Tabori, Langhoff, Zadek und vielen anderen: Anne Bennent, die heute am Donaukanal und am Kamp lebt. Sie braucht keine Anleihen von Wittgenstein (denn, laut «Welt», blüht «Poesie brut auf, wo sie hinspuckt»), aber wenn sie ausgewählte Passagen aus seinen philosophischen Schriften liest, wird klar, warum viele Dichter_innen in den Sog der Sprache Wittgensteins geraten. Hinweise, wie man, wenn man will, Wittgenstein auch verstehen kann, gibt der Kunsthistoriker und Philosoph Reinhold Sturm. Otto Lechner begleitet Bennent musikalisch.

Sa 8.5. Treffpunkt 9:00 im Perinetkeller zur 4MAL4 Landpartie zur wieder wild gewordenen Traisenmündung. Geführte Wanderungen. Anmeldungen raschest bei: alois.kinast@gmx.at

Mo17.5. 19:30 DIE NASE– EIN FAST IN VERGESSENHEIT GERATENES BUCH. Der feine, im Wettbewerb der ästhetischen Covergestaltung führende Wiener Verlag «bahoe books», ist auch ein Spezialist für das Ausgraben verschütteter Literaten. Einer dieser Autoren ist der polnisch-russisch-jüdische Novellist Bruno Jasienski. Er wurde 1938 von den Stalinisten ermordet und hatte zwei Jahre zuvor ein Märchen für Erwachsene herausgebracht. Die Geschichte: Ein Rassenkundler, der mit seiner Studie «Die typischen Merkmale der semitischen Nase als einer klar ausgeprägten Minusvariante und über den Einfluss der Nasenform auf die seelischen Charakteristika des Judentums» Karriere machte, blickte eines Tages in den Spiegel und sah, dass ihm eine «eindeutig» jüdische Nase gewachsen war. Wladimir Vertlieb schrieb das Vorwort, und die moderne Übersetzung vom Russischen ins Deutsche besorgte die Schankwirtin des Perinetkellers, Elisabeth Namdar-Pucher.

Bis Fr 21.5. HALBS MINI-MUSEUM / DEPENDANCE VERFALLSLABOR im Keller. Kurzvideos

So 23.5. 19:30 IST DIE BOHEME SCHON TOT – ODER STIRBT SIE NOCH? Lisl Pongers Fotoausstellung DIE DOPPLERANARCHIE steht am Beginn eines Veranstaltungsreigens, der sich bis in den Hochsommer ziehen wird. Details: www.perinetkeller.at.


Der Perinetkeller ist das ehemalige Atelier der Wiener Aktionisten und wird seit Juni 2016 vom Institut ohne direkte Eigenschaften (IODE) ohne Subventionen betrieben. Spenden sind erwünscht. Kein Konsumzwang. Getränke gegen Spenden. Wir raten dringend, ein persönliches Glaserl mitzubringen – andernfalls droht der Plastikbecher. Klo am Platz (ca. 100 m).

 

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November 2020 im Keller

Mi 4.11. 19:30. Wien – Ort des Möglichen. Wie die Autos den Städten zugesetzt haben; wie die Städte nun umgekehrt den Autos zusetzen müssen: darum geht‘s bei der stadtpolitischen Reihe, die das Institut ohne direkte Eigenschaften gemeinsam mit dem «Stadtlabor» des Baugruppen-Experiments «Gleis 21» im Sonnwendviertel konzipiert hat. Im Perinetkeller wird der Fokus am 4. November auf den Beitrag künstlerischer Handlungen gerichtet. KünstlerInnen, die Impulse zur Realisierung autofreier Städte geben, im Erfahrungsaustausch…

Mo 9.11. 19:30. Idiome Prosawerkstatt 2020. Mit Erhan Altan (Wien), Margret Kreidl (Wien), Thomas Raab (Wien) & Richard Wall (Engerwitzdorf). Moderation: Florian Neuner (Herausgeber Idiome. Hefte für Neue Prosa). Aus dem Inhalt: «Die Existenz im Dazwischen» eines Übersetzers und «bukolische Prosa» von den geographischen Rändern; die literarische Auseinandersetzung mit der Kunst von Agnes Martin und ein Inventar der Kerne, aus denen sich die Erinnerungen eines Individuums zusammensetzen. Mit Unterstützung der GAV.

Fr 13.11. 13:13. Rudolf-Schwarzkogler-Memorial am Wiener Zentralfriedhof. Am Freitag, den 13. November 2020, wäre der österreichische Aktionskünstler Rudolf Schwarzkogler 80 Jahre alt geworden, wäre er nicht schon im Alter von 28 Jahren durch einen Sprung oder Fall aus seinem Küchenfenster gestorben. Rudolf Schwarzkogler war einer der Mitbegründer des legendären Wiener Aktionismus. Die Belegdauer seiner privaten Grabstätte Nr. 76 ist seit Jahren erloschen, der Grabstein entsorgt und dichtes Gras über die Erde gewachsen. Das Institut ohne direkte Eigenschaften (IODE) holt aus diesem Anlass nach, was das Kulturamt versäumt. Wir markieren in einer feierlichen Prozession temporär den Rudolf-Schwarzkogler-Gedächtnis-Pfad von Tor 1 bis zum verschwundenen Grab in der Gruppe 10. Treffpunkt: Tor 1, Simmeringer Hauptstraße 230 (Straßenbahnlinien 73, 6), 13:13. Trauerkleidung erbeten.

Mo 16.11. 19:30. «betoniert meinen schwanz in die staumauer der freudenau» Seit rund drei Jahren blättert der Aktivist Peter A. Krobath die Gratiszeitungen der Stadt durch und lyricycelt sie mit Schere und Uhu (EU-Abfallrichtlinie). Die Ergebnisse des Projekts Lyricycling Heute/Österreich werden kopiert und wieder im öffentlichen Raum präsentiert, auf Zeitungsboxen (Verursacherprinzip), Elektrokästen, Plakatwänden etc. Und an diesem Abend im Perinetkeller, plus der einen und anderen dazu passenden Geschichte.

Mi 18.11. 15:00 bis 19:00. Initiativenwerkstatt Mobilität. Die Initiativenwerkstatt im Kulturraum von «Gleis 21», dem Holzhaus am Helmut Zilk-Park, ist ein interaktiver Denk- und Vernetzungsraum für Menschen mit guten Ideen und Interessierte im Bereich Mobilität und Stadtverkehr. Eine Veranstaltung im Rahmen des Gemeinschaftsprojekts «Wien – Ort des Möglichen». Veranstaltungsort: «Gleis 21», Bloch Bauer Promenade 22, Sonnwendviertel, 1100 Wien. Weitere Information: Martina Handler, mah@gleis21.wien, www.gleis21.wien.

Sa 28.11. 19:30. Tribute to Alfred Kolleritsch. Andreas Unterweger, der heute die von Kolleritsch gegründete Grazer Literaturzeitschrift «manuskripte» herausgibt, kommt in den Keller – mit (historischem) Belastungsmaterial gegen den «Jugendverderber». Kolleritsch hatte das Geniale an Ossi Wieners Antiroman «Die Verbesserung von Mitteleuropa» gespürt. Ab 1964 veröffentlichte er ihn als Fortsetzungsroman. Das brachte ihm die Klage wegen sittlicher Gefährdung der Jugend ein und war für den Herausgeber existenzgefährdend Der Paragraph ist heute noch gültig. Kolleritsch spürte auch, welche unbekannten Talente unterstützenswert waren. Ohne dieses Spüren hätte es keinen Nobelpreisträger Handke und keine Nobelpreisträgerin Jelinek gegeben. Kolleritsch starb im Mai dieses Jahres, 89-jährig.Heino Fischer, Schauspieler, liest Texte von und zu Österreichs erfolgreichstem Literaturnobelpreisträgermacher.


Der Perinetkeller ist das ehemalige Atelier der Wiener Aktionisten und wird seit Juni 2016 vom Institut ohne direkte Eigenschaften (IODE) ohne Subventionen betrieben. Spenden sind erwünscht. Kein Konsumzwang. Getränke gegen Spenden. Wir raten dringend, ein persönliches Glaserl mitzubringen – andernfalls droht der Plastikbecher. Klo am Platz (ca. 100 m).

 

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Oktober 2020 im Keller

Do 8.10. 19:30. Eine musikalische Buchpräsentation:«Musikarbeiter unterwegs» von Rainer Krispel. Auswahl aus hunderten Musikartikeln, die die Wiener Straßenzeitung Augustin veröffentlichte. Lesung, dann Livemusik: «Hirn mit Ei» (Mario Lang, Gesang; Andi Lechner, Gitarre; Vincenz Wizlsperger, Kontrabass) Zum Abschluss das Sibylle Kefer Trio. Insgesamt ein Live-Programm, das zwischen Lamourhatscher und Punk mäandriert.

Sa 10.10. 19:30. And always die Liebe im Knopfloch meines Mantels. Die Berliner Writers‘ Damen Maria A. Druckenthaner und Felicitas Jacobs spinnen ein Netz von Lyrik und Geschichten aus dem Berliner Stadtleben, berichten von alltäglichen Überraschungen, erzählen vom Drama der kleinen Dinge und der Komödie der Sehnsucht. Beide hat das Schicksal nach Berlin gewürfelt, die eine aus dem Rheinland (Jacobs), die andere aus Österreich (Druckenthaner). Die Stadt wird sie wohl niemals loslassen.

Do 22.10. 19:30. Wien, Ort des Möglichen. Eine Kooperation zwischen Gleis 21 / Änderungssalon und Perinetkeller. Inspirierende Beispiele aus europäischen Städten wie Barcelona zeigen, wie Stadtentwicklung in Zeiten der Klimakrise aussehen kann. Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo formuliert es so: «Asphalt überall dort zu beseitigen, wo es möglich ist, erlaubt der Stadt nicht nur, tief durchzuatmen, sondern verleiht ihr auch einen neuen Atem« Ort: Gleis21, Holzhaus am Helmut Zilk-Park, Sonnwendviertel.

Sa 24.10. 19:30. Top 10 Lockdown 20. Vernissage, Musikperformance. Als die Stadt in die Stille sank und der Himmel sein tiefdunkles Blau der Unendlichkeit zeigte, konnte man sich entweder der Angst vor dem lebensbedrohlichen Virus hingeben oder der Seelenbaumelei, dem Spiel mit den Musen. Ulli Gladik (Öl, Aquarell) und Martin Tichy (Gitarre, Loops) wählten zweiteres. Sie tauchte in die Welt der Formen und Farben, er versank in Rhythmen, Sounds und Harmonien.

Di 27.10. 19:30. Stalin, Sex und Kalte Kriege. Karl Wiesinger (1923 – 91), Linzer Schriftsteller und KP-Aktivist, Widerständler unterm NS-Regime, später Kellertheatermacher, Romancier ohne Resonanz, schließlich Kurzzeit-Berühmtheit als Fake-Bauern-Literatur-Avantgardist Max Maetz: eine Biographie wie eine ungeschriebene Tragikomödie. Es sprechen und lesen: Florin Mittermayr (Regisseur, Musik- und Stimmarbeiter) sowie Georg Hofer und Helmut Neundlinger (Herausgeber des Katalogs zur Ausstellung über Karl Wiesinger im Linzer StifterHaus).


Der Perinetkeller ist das ehemalige Atelier der Wiener Aktionisten und wird seit Juni 2016 vom Institut ohne direkte Eigenschaften (IODE) ohne Subventionen betrieben. Spenden sind erwünscht. Kein Konsumzwang. Getränke gegen Spenden. Wir raten dringend, ein persönliches Glaserl mitzubringen – andernfalls droht der Plastikbecher. Klo am Platz (ca. 100 m).

 

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September 2020 im Keller

Di 1.9. und Mi 2.9., jeweils 19:30. Ohne Gnade. Rund 20 Kunstschaffende aus dem Umkreis des Instituts ohne direkte Eigenschaften zeigen in atemloser Sequenz Resultate ihrer Auseinandersetzung mit der Corona-Pandemie und ihrer Nutzbarmachung durch zitzerlweise Perfektionierung von Überwachungssystemen.

Do 3.9. 20:00. Michael Gordon, „Timber“, gespielt vom Studio Percussion Graz. Dieses Grazer Ensemble wurde 1979 von Günter Meinhart gegründet. Neben eigenen Projekten im zeitgenössischem Bereich pflegt die Gruppe grenzübergreifende musikalische Zusammenarbeit. Bei der Produktion „Timber“ geht es um klangliche Verdichtung und um Reduktion.

Sa 5.9. 19:30. Beate Wallner und die Alten Schwestern. Beate Wallner liest eine Auswahl poetischer Texte und philosophischer Alltagsprosa. Ihr Schreiben reflektiert zwischenmenschliche Begegnungen und den Umgang mit Emotion und Realität. Musikalisch untermalen die Alten Schwestern (Thomas Berghammer, Paul Skrepek und Heimo Wallner). Heimo Wallner zeigt unter dem Titel „Lichtige Reben in Flaschen“ assoziative Zeichnungen zu Szenen aus dem Leben der Beate W. Der abwechselnd in der Steiermark und in Vermont/USA lebende Grafiker der nackten Welt ist auch für seine Zeichentrickfilme bekannt.

Sa 12.9. 19:30. Vier Jahre Perinetkeller. Ein kleines Geburtstagsfest. Lasst euch überraschen.

So 13.9. 19:30. „SchrammelBach“: Vertonung des „Requiem Viennense“ von H.C. Artmann. „SchrammelBach“ sind: Peter Hudler, Violoncello, und Andreas Teufel, Wiener Knopfakkordeon. Dem Perinetkeller sind keine amourösen Dreierbeziehungen fremd, vor allem, wenn es um das Trio Wiener Schmalz, Wiener Klassik und Wiener Gruppe geht.

Fr 18.9. 19:30. Jeden Tag Cowboy. Präsentation der Viktor Rogy- Biografie mit dem Autor. Bewunderungskünstler, Lehmstecher Gottes, Verachtungsvirtuose – der Auftritt von Viktor Rogy (1924-2004) markiert einen einsamen Höhepunkt in der österreichischen Nachkriegskunst. Der Dichter, Bildhauer, Tänzer, Designer, Konzeptkünstler und Aktionist war nicht von dieser Welt. Unter anderem lebte er im Klagenfurter Gartenhaus der Malerin Maria Lassnig. Der Wiener Kunstpublizist Wolfgang Koch präsentiert 555 Seiten Rogy- Biografie.

Do 24.9. 19:30. Alfred Goubran: „Schmerz und Gegenwart. Ritzungen“. Buchpräsentation und Autorengespräch. Moderation: Wolfgang Koch. Es geht um eine selten thematisierte Kritik der Schule: Vermittelt sie nicht eine Lebenshaltung, ein Welt- und Menschenbild, das in erster Linie der Zerstreuung förderlich ist. Goubran, vaterseits ägyptisch, stellt sich auch als Musiker und Sänger vor – u.a. als Gründer der Band „nabil&friends“.


Der Perinetkeller ist das ehemalige Atelier der Wiener Aktionisten und wird seit Juni 2016 vom Institut ohne direkte Eigenschaften (IODE) ohne Subventionen betrieben. Spenden sind erwünscht. Kein Konsumzwang. Getränke gegen Spenden. Wir raten dringend, ein persönliches Glaserl mitzubringen – andernfalls droht der Plastikbecher. Klo am Platz (ca. 100 m).

 

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August 2020 – AALE IN DEN KELLER

Fr 14.8. 19:30. Ein Fest für Hugo Sonnenschein. Eine Revue von Papiertheater Zunder und laut fragen – an der Schnittstelle von Leseperformance und Puppentheater. Im Rahmen eines turbulenten, szenischen Festaktes wird der mährische Schriftsteller, Vagabund und Revolutionär Hugo Sonnenschein (1889-1953) geehrt. In den politisch bewegten 1920er Jahren nahm er sich kein Blatt vor den Mund, später kämpfte er gegen den aufkeimenden Nationalsozialismus, überlebte Auschwitz und verstarb in einem stalinistischen Kerker in Mirov. Im Stück wird sich Hugo Sonnenschein noch einmal kräftig zu Wort melden.
Das Papiertheater Kollektiv Zunder brennt für libertär-emanzipatorische Politiken und macht Theater an der Schnittstelle von Geschichte, Aktionismus und Medienkunst.
laut fragen ist ein Musik- und Performanceprojekt von Maren Rahmann und Didi Disko, das sich im Spannungsfeld von Post-Punk, experimenteller Elektronik und Pop bewegt. Während der Schwerpunkt der Texte bei Gesellschaftspolitik und Utopie liegt, ist der Sound von einem steten Wandel, einer permanenten Suche nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten und Grenzüberschreitungen geprägt.
Die beiden Gruppen nehmen anschließend am Internationalen Vagabundenkongress in Berlin teil.

Di 1.9. und Mi 2.9. , jeweils 19.30. OHNE GNADE – Kunst und Corona. Der Pfarrer einer Wiener Vorstadtkirche hat seine Freunde aus einem linken Chor gebeten, Protestchöre für die Rebellion im Gotteshaus zusammenzustellen. Das staatliche Pandemie-Management hatte beschlossen, die Gesangelemente aus den Liturgien zu streichen, um die Ansteckungsgefahr zu drosseln. Die Sängerinnen lächelten.Wenn der große Katholizismus auf sein Ave Maria verzichten muss – was kann der zur neuer Stärke kommende Staat noch alles zentralistisch dirigieren? Wird noch viel Rotes sein, am Tag, der kommt? Oder vielmehr viel Totes, wie Brecht es ahnt: Was liegt denn da im Kot? / Irgend etwas liegt doch im Kot. / Da liegt etwas, das ist mausetot. / Aber das ist ja das Volk!
In den Tagen der Quarantäne waren Kunstschaffende die ersten, die die utopischste aller Corona-Ideen ansprachen: dass eine sich selbst reflektierende zivile Gesellschaft nie in Panik ausbrechen kann – außer der Klimawandel lässt Teile Bangladeschs verschwinden. An zwei Abenden – «Ohne Gnade» – zeigen Kunstschaffende aus dem Umkreis des Instituts ohne direkte Eigenschaften, wie sie die Virus-Katastrophe in ihre künstlerisch-politische Arbeit integrierten.
Die TeilnehmerInnen am Dienstag: Maren Rahmann und Didi Disko (laut fragen), Thomas Paul, Stevie Vukics, Ursula Hofbauer, Pan Papillon, Heino Fischer, Robert Sommer, Daniel Böswirth, Zsuzsi Vecsei.
Die TeilnehmerInnen am Mittwoch: Victor Halb, Sugar Plum, Susanne Kompast, Margot Hruby, Eva Brenner, Anka Mairose, Andrea Hiller, Patrizia Ehrenfried-Fischer.
Kurzbeiträge in den Genres Videokunst, Musikvideos, Literatur, bildende Kunst, Performance, Live Musik … und ein Tanz mit dem Tod.
Reihenfolge und TeilnehmerInnenliste: Änderungen vorbehalten. Spenden höchst erwünscht.


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Februar 2020 im Keller

Sa 8.2. 19:30 *Literett mit Nadia Baha. Ein Mix aus «Lesen und lesen lassen» sowie «Underground», den beiden Kabarett-Programmen der in einem breiten Spektrum produktiven Künstlerin. Dazu Beispiele aus ihrer aktuellen literarischen Textarbeit. Nadia Baha versteht sich als Satirikerin, Literatin, Musikerin, Übersetzerin und Journalistin. Und doch beschreibt das nicht ihre ganze Bandbreite. «Ich organisiere – und menschle«, schließt sie den Bogen. Dem Smartphone hat sie sich – wie bisher wenige Leute – konsequent verweigert, was die Eruption ihrer Ideen, wie wir am Samstag im Keller hören werden, nicht beeinträchtigt. www.nadiabaha.com

Do 13.2. 19:30 «Joseph Roth mit zwei Cellos». Literaturprogramm mit klassischer Musik. Der Maler und Comiczeichner Reinhard Trinkler («Kottan ermittelt», «Der Bankert vom Naschmarkt», «Falco – Die Legende lebt») liest Joseph Roths Novelle «Der Vorzugsschüler» von 1916 über den Primus Anton, der im Leben fast alles richtig anstellt, sich jedoch das Lachen und Lieben versagt. Musikalisch untermalt wird der Abend von den beiden Cellistinnen Livia Klein und Jun Aigner mit klassischen Melodien zwischen Beethoven und Bach.

Fr 14.2. 19:30 Dionysos befiehlt: HABT ACHTL! … und bittet euch zum Fest an seinem angestammten Datum. Die Wiener Malerin Raja Schwahn-Reichmann verfolgt einen Plan, wie er sich für eine angebliche Weinmetropole ziemt: Sie will Wien zu einem neuen Hotspot des Dionysos-Kults machen. Den Perinetkeller verwandelt sie dafür in eine gemalte und inszenierte bukolische Landschaft, die sie mit möglichst entsprechend gewandeten Gästen füllen will. Gold, Rot, Felle, Efeu (der ist auch im Februar grün) heißt die Devise. Wer glaubt, den Kostümerwartungen nicht gerecht werden zu kennen, dem oder der bietet die Malerin im Vorfeld Kostümberatung an (0676 4953133). Ihr Wunsch: «Haltlose Damen mit heiligem Lüstl treffen auf lose Herren mit göttlichem Dürstl». Eintritt: Spenden.

Mi 26.2. 19:30 Film und Katastrophe II – Zukunftsfiktionen. Was sich einst nur in Büchern oder Filmen als Katastrophenimagination ausmalen ließ, hat auf unheimliche Weise Eingang in unsere Alltage gefunden: Während Venedig unter Wasser steht und mehrere Alpenregionen im Schneechaos ersticken, steht auf der anderen Seite der Welt ein ganzer Kontinent in Flammen. Die aktuelle Gegenwartsdiagnose kommt von der Literatur- und Kulturwissenschaftlerin Eva Horn: «Unsere Gegenwart ist die Zukunft, vor der die Umweltbewegung immer gewarnt hat.» Im Zentrum des Abends stehen Zukunftsfiktionen und Richard Fleischers Film «Soylent Green» (1973), der eine Gesellschaft im Jahr 2022 zeigt. Film und Katastrophe wird präsentiert von Daniel Brandlechner und Jenny Legenstein.

Fr 28.2. 19:30 Eine Chance für Linkes und Gedrucktes? Im November 2019 ist mit dem TAGEBUCH erstmals eine neue 60 Seiten starke Zeitschrift für Gesellschaftskritik und linke Debatte im österreichischen Einzelhandel erschienen. «Wenn Print wachsen kann, dann in einzelnen Nischen, die spezifische Bedürfnisse bedienen. Das zeigen auch Beispiele, die uns inhaltlich recht nahe sind und die großen Erfolg haben», sagt Samuel Stuhlpfarrer, der das Heft herausgibt. Das Institut ohne direkte Eigenschaften hat ihn in den Keller eingeladen, wo er die aktuelle Ausgabe des TAGEBUCH vor und zur Diskussion stellt.


Der Perinetkeller ist das ehemalige Atelier der Wiener Aktionisten und wird seit Juni 2016 vom Institut ohne direkte Eigenschaften (IODE) ohne Subventionen betrieben. Spenden sind erwünscht. Kein Konsumzwang. Getränke gegen Spenden. Wir raten dringend, ein persönliches Glaserl mitzubringen – andernfalls droht der Plastikbecher. Klo am Platz (ca. 100 m).

 

IODE . Perinetkeller . Perinetgasse 1, 1200 Wien . www.perinetkeller.at
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Jänner 2020 im Keller

Do 16.1. 19:30 Das Protestlied. Peter Grusch stellt seine Sammlung vor. Laut Wikipedia sind Protestlieder eine junge Liedgattung. Aber nicht immer hat Wikipedia recht. Walter von der Vogelweide sang gegen den Papst. Und Goethe war von den Liedern der französischen Revolution 1789 abgeschreckt: «Ein garstig Lied! Pfui! Ein politisch Lied!» Viele Protestlieder sind noch unbekannt und schlummern in staatlichen Archiven, wo sie auf Anordnung von Metternich durch Lehrer, Pfarrer u.a. abgeliefert werden mussten.

Fr 17.1. 19:30 «Sartres geheimster Schüler und die Revolutionärin». Aus dem Debüt-Roman Pan Papillons liest das wirklich-Quartett – bestehend aus dem Literaten Martin Bachler, dem Schauspieler Marvin, der Künstlerin Tintorella Papillon und dem Autor selbst. Eine Reflexion über die Wirklichkeit, eine Weltreise für Revolutionär*innen, die Abrechnung mit Faschismus und Neoliberalismus und die Gründung einer Stäätin. Der Mensch ist Freiheit. Und Sartres geschlossene Gesellschaft in einem Kellerverlies mit Osama Bin Laden? Gehört sie zu seinem Sein dazu? ENTWARNUNG für die werten Gäste der abgesagten Lesung im November: Der Ofen heizt!

Mo 20.1. 19:30 Nawid ist weg. Eine Lesung für einen umherirrenden Freund. Tag für Tag verschwinden Menschen aus unserer Mitte. Menschen, die versucht haben, in Österreich ein Leben in Würde und Sicherheit zu führen, werden in Schubhaft gesperrt und immer öfter auch abgeschoben – sogar nach Afghanistan, obwohl dort Krieg und Gewalt herrschen. Oder sie flüchten nach Frankreich und Italien weiter. Ernst Schmiederer präsentiert das »Buch für einen umherirrenden Freund“» sowie die Forderung nach einem Hierbleiberecht – wer seit drei Jahren hier ist, muss hierbleiben dürfen!

Mi 22.1. 19:30 Wolfgang Glechner liest «Putenwurst, aber vom Krokodil» und andere Minidramen voller hintergründigem Humor. Er blickt auf eine bunte Bio zurück – Biologiestudent, Buchhändler, Volksschullehrer, Kellner, Bildender Künstler. Aufgewachsen in Braunau, stellt Glechner auch einen einer fünf Romane vor: «Niemand ist in Braunau geboren».

Do 23.1. 19:30 Film und Katastrophe I – Katastrophenwahrnehmung. Rede, Film und Diskussion. Eine mehrteilige Reihe widmet sich der filmischen Darstellung von Erdbeben, Unwettern, Schiffsunglücken, Hochwassern, Murgängen, Lawinen, Tornadostürmen, Verkehrsunfällen, Hungersnöten, Seuchen, Ausrottungen, Terroranschlägen und Monsterangriffen. Ist die Lust an der Katastrophe eine angemessene Form der Reaktion? Oder ist sie nur eine weitere Äußerung der Ohnmacht und bleibt reine Katharsis? In der an die Filmschau anschließende Diskussion soll über diese Frage und über die Wirkungsmächtigkeit der Katastrophen jenseits ihrer materiellen Schäden gesprochen werden. Kunst und Katastrophe wird präsentiert von Daniel Brandlechner und Jenny Legenstein.


Der Perinetkeller ist das ehemalige Atelier der Wiener Aktionisten und wird seit Juni 2016 vom Institut ohne direkte Eigenschaften (IODE) ohne Subventionen betrieben. Spenden sind erwünscht. Kein Konsumzwang. Getränke gegen Spenden. Wir raten dringend, ein persönliches Glaserl mitzubringen – andernfalls droht der Plastikbecher. Klo am Platz (ca. 100 m).

 

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Dezember 2019 im Keller

Mo 9.12. 19:30 Vor mir sind Anständige zu beschützen. Günther Geiger stammt aus Dornbirn, wo er obdachlos war, und lebt in Wien, wo er 26 Jahre lang als Herausgeber des hochkulturfeindlichen Literaturmagazins WIENZEILE wirkte. Er war gleichzeitig auch Straßenkolporteur seines Magazins. Sein Freund, der Musiker Peter Skibar, trägt Passagen aus Geigers autobiographischer Novelle «Der Abbruch» vor, die im Dornbirner Randmilieu spielt, und gibt einige Lieder zum besten.

Do 12.12. 19:30 Bruno Jasienski – Hommage an ein enfant terrible. Weltbekannt in Krakau und Tadshikistan. Geboren in der Monarchie, gleich neben Majdanek, Schulbesuch in Russland, Bürgerschreck und führender Futurist von Krakau, dann Kommunist, dann Mitglied des Obersten Sowjets Tadshikistans, dann hingerichtet und spät rehabilitiert. Lesung aus Jasienski-Texten (übersetzt von Elisabeth Namdar) und Simultanübersetzung eines Filmausschnitts von «Ein Mensch wechselt seine Haut». Bruno Jasienski wird präsentiert von Kurt Kostron, Gerald Mach, Elisabeth Namdar, Maren Rahmann und Wladimir Uljew.

Fr 13.12. 19:30 Jakob Haringer – Hommage an einen Dichter und Vagabunden, der seine Biografie verfälschte. Er verfasste tausend Gedichte und blieb dennoch unbekannt. Der Autor Dieter Braeg versucht mit seinem Buch «Jakob Haringer – Du bist für keinen Stern, kein Glück geboren!», die Erinnerung an den bayrischösterreichischen Schnorrerkönig aus der Zwischenkriegszeit am Leben zu erhalten.

Mi 18.12. 19:30 Gotthard Fellerers TIRADEREIEN – SCHRÄG & GERADE.
Der Maler, Interakt-Künstler, Musikant, Publizist, Zeitungsherausgeber und mit Kunstpreisen überhäufter Perinetkellerfreund ist in den Provinzstädten des Ostens wie St.Pölten, Wr. Neustadt, Schwechat, Wien und Krems bekannt wie falsches Gold (Selbstkategorisierung). Fellerer ist zum zweiten mal im Keller, und wieder gilt es, eine neue Ausgabe seines beispiellosen Kunstmagazins BRAVDA zu feiern. Musikerkollege Hans Delanoy hat einschlägige Unterstützung angesagt.

Fr 20.12. 19:30 Live Konzert: Cigarettes and Chokolatemilkband. Das aus Andreas Haidecker (Gitarre), Philipp Kienberger (Bass) und Anna Anderluh (Gesang) bestehende, am liebsten unverstärkt spielende Trio kombiniert spielerisch freie Improvisation und Klassiker der Beatles, Neil Young, The Police und Rufus Wainwright. Dazwischen auch einmal ein ungekünstelt, einfühlsam oder auch eigenwillig gespielter Jazzstandard oder die Bluesklampfn. Ein Angebot, mit dem IODE-Team den Beginn der kurzen Kellerwinterpause zu feiern. Am 16.1. geht´ s wieder los!


Der Perinetkeller ist das ehemalige Atelier der Wiener Aktionisten und wird seit Juni 2016 vom Institut ohne direkte Eigenschaften (IODE) ohne Subventionen betrieben. Spenden sind erwünscht. Kein Konsumzwang. Getränke gegen Spenden. Wir raten dringend, ein persönliches Glaserl mitzubringen – andernfalls droht der Plastikbecher. Klo am Platz (ca. 100 m).

 

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