September 2020 im Keller

Di 1.9. und Mi 2.9., jeweils 19:30. Ohne Gnade. Rund 20 Kunstschaffende aus dem Umkreis des Instituts ohne direkte Eigenschaften zeigen in atemloser Sequenz Resultate ihrer Auseinandersetzung mit der Corona-Pandemie und ihrer Nutzbarmachung durch zitzerlweise Perfektionierung von Überwachungssystemen.

Do 3.9. 20:00. Michael Gordon, „Timber“, gespielt vom Studio Percussion Graz. Dieses Grazer Ensemble wurde 1979 von Günter Meinhart gegründet. Neben eigenen Projekten im zeitgenössischem Bereich pflegt die Gruppe grenzübergreifende musikalische Zusammenarbeit. Bei der Produktion „Timber“ geht es um klangliche Verdichtung und um Reduktion.

Sa 5.9. 19:30. Beate Wallner und die Alten Schwestern. Beate Wallner liest eine Auswahl poetischer Texte und philosophischer Alltagsprosa. Ihr Schreiben reflektiert zwischenmenschliche Begegnungen und den Umgang mit Emotion und Realität. Musikalisch untermalen die Alten Schwestern (Thomas Berghammer, Paul Skrepek und Heimo Wallner). Heimo Wallner zeigt unter dem Titel „Lichtige Reben in Flaschen“ assoziative Zeichnungen zu Szenen aus dem Leben der Beate W. Der abwechselnd in der Steiermark und in Vermont/USA lebende Grafiker der nackten Welt ist auch für seine Zeichentrickfilme bekannt.

Sa 12.9. 19:30. Vier Jahre Perinetkeller. Ein kleines Geburtstagsfest. Lasst euch überraschen.

So 13.9. 19:30. „SchrammelBach“: Vertonung des „Requiem Viennense“ von H.C. Artmann. „SchrammelBach“ sind: Peter Hudler, Violoncello, und Andreas Teufel, Wiener Knopfakkordeon. Dem Perinetkeller sind keine amourösen Dreierbeziehungen fremd, vor allem, wenn es um das Trio Wiener Schmalz, Wiener Klassik und Wiener Gruppe geht.

Fr 18.9. 19:30. Jeden Tag Cowboy. Präsentation der Viktor Rogy- Biografie mit dem Autor. Bewunderungskünstler, Lehmstecher Gottes, Verachtungsvirtuose – der Auftritt von Viktor Rogy (1924-2004) markiert einen einsamen Höhepunkt in der österreichischen Nachkriegskunst. Der Dichter, Bildhauer, Tänzer, Designer, Konzeptkünstler und Aktionist war nicht von dieser Welt. Unter anderem lebte er im Klagenfurter Gartenhaus der Malerin Maria Lassnig. Der Wiener Kunstpublizist Wolfgang Koch präsentiert 555 Seiten Rogy- Biografie.

Do 24.9. 19:30. Alfred Goubran: „Schmerz und Gegenwart. Ritzungen“. Buchpräsentation und Autorengespräch. Moderation: Wolfgang Koch. Es geht um eine selten thematisierte Kritik der Schule: Vermittelt sie nicht eine Lebenshaltung, ein Welt- und Menschenbild, das in erster Linie der Zerstreuung förderlich ist. Goubran, vaterseits ägyptisch, stellt sich auch als Musiker und Sänger vor – u.a. als Gründer der Band „nabil&friends“.


Der Perinetkeller ist das ehemalige Atelier der Wiener Aktionisten und wird seit Juni 2016 vom Institut ohne direkte Eigenschaften (IODE) ohne Subventionen betrieben. Spenden sind erwünscht. Kein Konsumzwang. Getränke gegen Spenden. Wir raten dringend, ein persönliches Glaserl mitzubringen – andernfalls droht der Plastikbecher. Klo am Platz (ca. 100 m).

 

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Oktober 2020 im Keller

Di 6.10. pünktlich um 19:30. ÜBERLEBEN IST MACHBAR. Eine ExpertInnenrunde zur Forderung eines bedingungslosen Grundeinkommens für Kunstschaffende. TeilnehmerInnen: Thomas Drozda, 2008 – 2016 Generaldirektor der Vereinigten Bühnen Wien, bis 2017 Bundesminister für Kunst und Kultur, der erste österreichische Kunstpolitiker, der das Künstlergrundeinkommen forderte; Erwin Jerusalem, bildender Künstler, Grundeinkommensexperte des ehem. Liberalen Forums; Karl Reitter, Sozialphilosoph, Verfasser vieler Texte zum Grundeinkommen; Klaus Sambor, im Rahmen der ATTAC Koordinator für Fragen des Grundeinkommens; Christiane Varga, Soziologin, Trend-und Zukunftsforscherin.
Anmeldungen möglichst rasch an: brus.day@chello.at (ev. Verlagerung zu einem größeren Veranstaltungsraum nötig!). Moderation: Erich Félix Mautner.

Do 8.10. 19:30. Eine musikalische Buchpräsentation:«Musikarbeiter unterwegs» von Rainer Krispel. Auswahl aus hunderten Musikartikeln, die die Wiener Straßenzeitung Augustin veröffentlichte. Lesung, dann Livemusik: «Hirn mit Ei» (Mario Lang, Gesang; Andi Lechner, Gitarre; Vincenz Wizlsperger, Kontrabass) Zum Abschluss das Sibylle Kefer Trio. Insgesamt ein Live-Programm, das zwischen Lamourhatscher und Punk mäandriert.

Sa 10.10. 19:30. And always die Liebe im Knopfloch meines Mantels. Die Berliner Writers‘ Damen Maria A. Druckenthaner und Felicitas Jacobs spinnen ein Netz von Lyrik und Geschichten aus dem Berliner Stadtleben, berichten von alltäglichen Überraschungen, erzählen vom Drama der kleinen Dinge und der Komödie der Sehnsucht. Beide hat das Schicksal nach Berlin gewürfelt, die eine aus dem Rheinland (Jacobs), die andere aus Österreich (Druckenthaner). Die Stadt wird sie wohl niemals loslassen.

Do 22.10. 19:30. Wien, Ort des Möglichen. Eine Kooperation zwischen Gleis 21 / Änderungssalon und Perinetkeller. Inspirierende Beispiele aus europäischen Städten wie Barcelona zeigen, wie Stadtentwicklung in Zeiten der Klimakrise aussehen kann. Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo formuliert es so: «Asphalt überall dort zu beseitigen, wo es möglich ist, erlaubt der Stadt nicht nur, tief durchzuatmen, sondern verleiht ihr auch einen neuen Atem« Ort: Gleis21, Holzhaus am Helmut Zilk-Park, Sonnwendviertel.

Sa 24.10. 19:30. Top 10 Lockdown 20. Vernissage, Musikperformance. Als die Stadt in die Stille sank und der Himmel sein tiefdunkles Blau der Unendlichkeit zeigte, konnte man sich entweder der Angst vor dem lebensbedrohlichen Virus hingeben oder der Seelenbaumelei, dem Spiel mit den Musen. Ulli Gladik (Öl, Aquarell) und Martin Tichy (Gitarre, Loops) wählten zweiteres. Sie tauchte in die Welt der Formen und Farben, er versank in Rhythmen, Sounds und Harmonien.

Di 27.10. 19:30. Stalin, Sex und Kalte Kriege. Karl Wiesinger (1923 – 91), Linzer Schriftsteller und KP-Aktivist, Widerständler unterm NS-Regime, später Kellertheatermacher, Romancier ohne Resonanz, schließlich Kurzzeit-Berühmtheit als Fake-Bauern-Literatur-Avantgardist Max Maetz: eine Biographie wie eine ungeschriebene Tragikomödie. Es sprechen und lesen: Florin Mittermayr (Regisseur, Musik- und Stimmarbeiter) sowie Georg Hofer und Helmut Neundlinger (Herausgeber des Katalogs zur Ausstellung über Karl Wiesinger im Linzer StifterHaus).


Der Perinetkeller ist das ehemalige Atelier der Wiener Aktionisten und wird seit Juni 2016 vom Institut ohne direkte Eigenschaften (IODE) ohne Subventionen betrieben. Spenden sind erwünscht. Kein Konsumzwang. Getränke gegen Spenden. Wir raten dringend, ein persönliches Glaserl mitzubringen – andernfalls droht der Plastikbecher. Klo am Platz (ca. 100 m).

 

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August 2020 – AALE IN DEN KELLER

Fr 14.8. 19:30. Ein Fest für Hugo Sonnenschein. Eine Revue von Papiertheater Zunder und laut fragen – an der Schnittstelle von Leseperformance und Puppentheater. Im Rahmen eines turbulenten, szenischen Festaktes wird der mährische Schriftsteller, Vagabund und Revolutionär Hugo Sonnenschein (1889-1953) geehrt. In den politisch bewegten 1920er Jahren nahm er sich kein Blatt vor den Mund, später kämpfte er gegen den aufkeimenden Nationalsozialismus, überlebte Auschwitz und verstarb in einem stalinistischen Kerker in Mirov. Im Stück wird sich Hugo Sonnenschein noch einmal kräftig zu Wort melden.
Das Papiertheater Kollektiv Zunder brennt für libertär-emanzipatorische Politiken und macht Theater an der Schnittstelle von Geschichte, Aktionismus und Medienkunst.
laut fragen ist ein Musik- und Performanceprojekt von Maren Rahmann und Didi Disko, das sich im Spannungsfeld von Post-Punk, experimenteller Elektronik und Pop bewegt. Während der Schwerpunkt der Texte bei Gesellschaftspolitik und Utopie liegt, ist der Sound von einem steten Wandel, einer permanenten Suche nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten und Grenzüberschreitungen geprägt.
Die beiden Gruppen nehmen anschließend am Internationalen Vagabundenkongress in Berlin teil.

Di 1.9. und Mi 2.9. , jeweils 19.30. OHNE GNADE – Kunst und Corona. Der Pfarrer einer Wiener Vorstadtkirche hat seine Freunde aus einem linken Chor gebeten, Protestchöre für die Rebellion im Gotteshaus zusammenzustellen. Das staatliche Pandemie-Management hatte beschlossen, die Gesangelemente aus den Liturgien zu streichen, um die Ansteckungsgefahr zu drosseln. Die Sängerinnen lächelten.Wenn der große Katholizismus auf sein Ave Maria verzichten muss – was kann der zur neuer Stärke kommende Staat noch alles zentralistisch dirigieren? Wird noch viel Rotes sein, am Tag, der kommt? Oder vielmehr viel Totes, wie Brecht es ahnt: Was liegt denn da im Kot? / Irgend etwas liegt doch im Kot. / Da liegt etwas, das ist mausetot. / Aber das ist ja das Volk!
In den Tagen der Quarantäne waren Kunstschaffende die ersten, die die utopischste aller Corona-Ideen ansprachen: dass eine sich selbst reflektierende zivile Gesellschaft nie in Panik ausbrechen kann – außer der Klimawandel lässt Teile Bangladeschs verschwinden. An zwei Abenden – «Ohne Gnade» – zeigen Kunstschaffende aus dem Umkreis des Instituts ohne direkte Eigenschaften, wie sie die Virus-Katastrophe in ihre künstlerisch-politische Arbeit integrierten.
Die TeilnehmerInnen am Dienstag: Maren Rahmann und Didi Disko (laut fragen), Thomas Paul, Stevie Vukics, Ursula Hofbauer, Pan Papillon, Heino Fischer, Robert Sommer, Daniel Böswirth, Zsuzsi Vecsei.
Die TeilnehmerInnen am Mittwoch: Victor Halb, Sugar Plum, Susanne Kompast, Margot Hruby, Eva Brenner, Anka Mairose, Andrea Hiller, Patrizia Ehrenfried-Fischer.
Kurzbeiträge in den Genres Videokunst, Musikvideos, Literatur, bildende Kunst, Performance, Live Musik … und ein Tanz mit dem Tod.
Reihenfolge und TeilnehmerInnenliste: Änderungen vorbehalten. Spenden höchst erwünscht.


Der Perinetkeller ist das ehemalige Atelier der Wiener Aktionisten und wird seit Juni 2016 vom Institut ohne direkte Eigenschaften (IODE) ohne Subventionen betrieben. Spenden sind erwünscht. Kein Konsumzwang. Getränke gegen Spenden. Wir raten dringend, ein persönliches Glaserl mitzubringen – andernfalls droht der Plastikbecher. Klo am Platz (ca. 100 m).

 

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PERINETKELLER AUFTAUEN

Am Montag, 6. Juli ein sommerliches Intermezzo unter dem Titel BRUS DAY, das die Tradition der tropischen Faulheit des Instituts ohne direkte Eigenschaften punktuell, aber sinnvoll aufhebt, und am Dienstag, 1. September unter dem Titel OHNE GNADE ein Verschnitt von künstlerischen Positionen zu allen Themen das Corona-Wahnsinns – noch stottert der Betrieb in der Perinetgasse 1, dem mit Mythen und Brennholz gefüllten Ex-Atelier von Muehl und Co. Im Juli werdet ihr HIER lesen können, was im dichten Herbstprogramm direkt auf euch zugerichtet erscheint. Schließt euch 135 anderen Abonnentinnen an, die via Homepage die Neuigkeiten im Keller zugepostet bekommen.

Foto: Ludwig Hoffenreich

Mo, 6. Juli 2020: „Brus Day“ – Tag der Kunst im öffentlichen Raum

Am 6. Juli 1965 ging Günter Brus, weiß übermalt, ein schwarzer Stich von oben nach unten, ein kurzes Stück durch die Wiener Innenstadt. Heute verwendet die Stadt Wien die Fotos von Günter Brus‘ Spaziergangs-Happening in der Kulisse der Hofburg gerne als Dokument des liberalen Klimas, der Aufgeschlossenheit, der Modernität und der Freiheit der Kunst in der Walzerstadt. Kein Wort darüber, dass Brus wenige Minuten, nachdem diese Fotos gemacht wurden, von der Polizei festgenommen und empfindlich bestraft wurde.
Die Kunst muss sich den öffentlichen Raum, der sowieso den Menschen und nicht der Verwaltung gehört, nach wie vor mühsam erkämpfen. Deswegen soll der 6. Juli ab sofort als „Brus Day“, als „Tag der Kunst im öffentlichen Raum“, in des Wortes wahrstem Sinne, „begangen“ werden. MusikerInnen sollen hörbar intervenieren! AutorInnen, wo auch immer, aus ihren Texten lesen! TänzerInnen, SchauspielerInnen, ArtistInnen werden auf öffentlichen Plätzen performen. Bildende werden ihre Staffeleien aufstellen, malen, zeichnen, portraitieren und modellieren. FotografInnen mögen den Tag, an dem sich die Kunst ihren Raum zurückerobert hat, dokumentieren. Das alles in der Öffentlichkeit. Ohne Gnadengesuch, ohne Behördenschikane, ohne Anmeldung, spontan!

Di, 1. September 2020: «OHNE GNADE»
Positionen von Künstlerinnen im Umkreis des Perinetkellers zu den Hauptthemen des überstandenen Frühling– von A wie Angst bis Z wie Zwangsisolation oder Zumutbarkeit von Überwachung und Kontrolle. Zu dem Gebräu von Musikvideo und Live Musik, bildender Kunst und Performance sowie Texte aus Kunst und Politik laden ein: Daniel Böswirth, Klaus Bonazza, Heino Fischer, Andrea Hiller, Thomas Paul, Sugar Plum, Walther Soyka, laut fragen, Robert Sommer, Zsuzsi Vecsei, Stevie Vukic.
Beginn: 19: 30. Spenden erwünscht.


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Februar 2020 im Keller

Sa 8.2. 19:30 *Literett mit Nadia Baha. Ein Mix aus «Lesen und lesen lassen» sowie «Underground», den beiden Kabarett-Programmen der in einem breiten Spektrum produktiven Künstlerin. Dazu Beispiele aus ihrer aktuellen literarischen Textarbeit. Nadia Baha versteht sich als Satirikerin, Literatin, Musikerin, Übersetzerin und Journalistin. Und doch beschreibt das nicht ihre ganze Bandbreite. «Ich organisiere – und menschle«, schließt sie den Bogen. Dem Smartphone hat sie sich – wie bisher wenige Leute – konsequent verweigert, was die Eruption ihrer Ideen, wie wir am Samstag im Keller hören werden, nicht beeinträchtigt. www.nadiabaha.com

Do 13.2. 19:30 «Joseph Roth mit zwei Cellos». Literaturprogramm mit klassischer Musik. Der Maler und Comiczeichner Reinhard Trinkler («Kottan ermittelt», «Der Bankert vom Naschmarkt», «Falco – Die Legende lebt») liest Joseph Roths Novelle «Der Vorzugsschüler» von 1916 über den Primus Anton, der im Leben fast alles richtig anstellt, sich jedoch das Lachen und Lieben versagt. Musikalisch untermalt wird der Abend von den beiden Cellistinnen Livia Klein und Jun Aigner mit klassischen Melodien zwischen Beethoven und Bach.

Fr 14.2. 19:30 Dionysos befiehlt: HABT ACHTL! … und bittet euch zum Fest an seinem angestammten Datum. Die Wiener Malerin Raja Schwahn-Reichmann verfolgt einen Plan, wie er sich für eine angebliche Weinmetropole ziemt: Sie will Wien zu einem neuen Hotspot des Dionysos-Kults machen. Den Perinetkeller verwandelt sie dafür in eine gemalte und inszenierte bukolische Landschaft, die sie mit möglichst entsprechend gewandeten Gästen füllen will. Gold, Rot, Felle, Efeu (der ist auch im Februar grün) heißt die Devise. Wer glaubt, den Kostümerwartungen nicht gerecht werden zu kennen, dem oder der bietet die Malerin im Vorfeld Kostümberatung an (0676 4953133). Ihr Wunsch: «Haltlose Damen mit heiligem Lüstl treffen auf lose Herren mit göttlichem Dürstl». Eintritt: Spenden.

Mi 26.2. 19:30 Film und Katastrophe II – Zukunftsfiktionen. Was sich einst nur in Büchern oder Filmen als Katastrophenimagination ausmalen ließ, hat auf unheimliche Weise Eingang in unsere Alltage gefunden: Während Venedig unter Wasser steht und mehrere Alpenregionen im Schneechaos ersticken, steht auf der anderen Seite der Welt ein ganzer Kontinent in Flammen. Die aktuelle Gegenwartsdiagnose kommt von der Literatur- und Kulturwissenschaftlerin Eva Horn: «Unsere Gegenwart ist die Zukunft, vor der die Umweltbewegung immer gewarnt hat.» Im Zentrum des Abends stehen Zukunftsfiktionen und Richard Fleischers Film «Soylent Green» (1973), der eine Gesellschaft im Jahr 2022 zeigt. Film und Katastrophe wird präsentiert von Daniel Brandlechner und Jenny Legenstein.

Fr 28.2. 19:30 Eine Chance für Linkes und Gedrucktes? Im November 2019 ist mit dem TAGEBUCH erstmals eine neue 60 Seiten starke Zeitschrift für Gesellschaftskritik und linke Debatte im österreichischen Einzelhandel erschienen. «Wenn Print wachsen kann, dann in einzelnen Nischen, die spezifische Bedürfnisse bedienen. Das zeigen auch Beispiele, die uns inhaltlich recht nahe sind und die großen Erfolg haben», sagt Samuel Stuhlpfarrer, der das Heft herausgibt. Das Institut ohne direkte Eigenschaften hat ihn in den Keller eingeladen, wo er die aktuelle Ausgabe des TAGEBUCH vor und zur Diskussion stellt.


Der Perinetkeller ist das ehemalige Atelier der Wiener Aktionisten und wird seit Juni 2016 vom Institut ohne direkte Eigenschaften (IODE) ohne Subventionen betrieben. Spenden sind erwünscht. Kein Konsumzwang. Getränke gegen Spenden. Wir raten dringend, ein persönliches Glaserl mitzubringen – andernfalls droht der Plastikbecher. Klo am Platz (ca. 100 m).

 

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Jänner 2020 im Keller

Do 16.1. 19:30 Das Protestlied. Peter Grusch stellt seine Sammlung vor. Laut Wikipedia sind Protestlieder eine junge Liedgattung. Aber nicht immer hat Wikipedia recht. Walter von der Vogelweide sang gegen den Papst. Und Goethe war von den Liedern der französischen Revolution 1789 abgeschreckt: «Ein garstig Lied! Pfui! Ein politisch Lied!» Viele Protestlieder sind noch unbekannt und schlummern in staatlichen Archiven, wo sie auf Anordnung von Metternich durch Lehrer, Pfarrer u.a. abgeliefert werden mussten.

Fr 17.1. 19:30 «Sartres geheimster Schüler und die Revolutionärin». Aus dem Debüt-Roman Pan Papillons liest das wirklich-Quartett – bestehend aus dem Literaten Martin Bachler, dem Schauspieler Marvin, der Künstlerin Tintorella Papillon und dem Autor selbst. Eine Reflexion über die Wirklichkeit, eine Weltreise für Revolutionär*innen, die Abrechnung mit Faschismus und Neoliberalismus und die Gründung einer Stäätin. Der Mensch ist Freiheit. Und Sartres geschlossene Gesellschaft in einem Kellerverlies mit Osama Bin Laden? Gehört sie zu seinem Sein dazu? ENTWARNUNG für die werten Gäste der abgesagten Lesung im November: Der Ofen heizt!

Mo 20.1. 19:30 Nawid ist weg. Eine Lesung für einen umherirrenden Freund. Tag für Tag verschwinden Menschen aus unserer Mitte. Menschen, die versucht haben, in Österreich ein Leben in Würde und Sicherheit zu führen, werden in Schubhaft gesperrt und immer öfter auch abgeschoben – sogar nach Afghanistan, obwohl dort Krieg und Gewalt herrschen. Oder sie flüchten nach Frankreich und Italien weiter. Ernst Schmiederer präsentiert das »Buch für einen umherirrenden Freund“» sowie die Forderung nach einem Hierbleiberecht – wer seit drei Jahren hier ist, muss hierbleiben dürfen!

Mi 22.1. 19:30 Wolfgang Glechner liest «Putenwurst, aber vom Krokodil» und andere Minidramen voller hintergründigem Humor. Er blickt auf eine bunte Bio zurück – Biologiestudent, Buchhändler, Volksschullehrer, Kellner, Bildender Künstler. Aufgewachsen in Braunau, stellt Glechner auch einen einer fünf Romane vor: «Niemand ist in Braunau geboren».

Do 23.1. 19:30 Film und Katastrophe I – Katastrophenwahrnehmung. Rede, Film und Diskussion. Eine mehrteilige Reihe widmet sich der filmischen Darstellung von Erdbeben, Unwettern, Schiffsunglücken, Hochwassern, Murgängen, Lawinen, Tornadostürmen, Verkehrsunfällen, Hungersnöten, Seuchen, Ausrottungen, Terroranschlägen und Monsterangriffen. Ist die Lust an der Katastrophe eine angemessene Form der Reaktion? Oder ist sie nur eine weitere Äußerung der Ohnmacht und bleibt reine Katharsis? In der an die Filmschau anschließende Diskussion soll über diese Frage und über die Wirkungsmächtigkeit der Katastrophen jenseits ihrer materiellen Schäden gesprochen werden. Kunst und Katastrophe wird präsentiert von Daniel Brandlechner und Jenny Legenstein.


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Dezember 2019 im Keller

Mo 9.12. 19:30 Vor mir sind Anständige zu beschützen. Günther Geiger stammt aus Dornbirn, wo er obdachlos war, und lebt in Wien, wo er 26 Jahre lang als Herausgeber des hochkulturfeindlichen Literaturmagazins WIENZEILE wirkte. Er war gleichzeitig auch Straßenkolporteur seines Magazins. Sein Freund, der Musiker Peter Skibar, trägt Passagen aus Geigers autobiographischer Novelle «Der Abbruch» vor, die im Dornbirner Randmilieu spielt, und gibt einige Lieder zum besten.

Do 12.12. 19:30 Bruno Jasienski – Hommage an ein enfant terrible. Weltbekannt in Krakau und Tadshikistan. Geboren in der Monarchie, gleich neben Majdanek, Schulbesuch in Russland, Bürgerschreck und führender Futurist von Krakau, dann Kommunist, dann Mitglied des Obersten Sowjets Tadshikistans, dann hingerichtet und spät rehabilitiert. Lesung aus Jasienski-Texten (übersetzt von Elisabeth Namdar) und Simultanübersetzung eines Filmausschnitts von «Ein Mensch wechselt seine Haut». Bruno Jasienski wird präsentiert von Kurt Kostron, Gerald Mach, Elisabeth Namdar, Maren Rahmann und Wladimir Uljew.

Fr 13.12. 19:30 Jakob Haringer – Hommage an einen Dichter und Vagabunden, der seine Biografie verfälschte. Er verfasste tausend Gedichte und blieb dennoch unbekannt. Der Autor Dieter Braeg versucht mit seinem Buch «Jakob Haringer – Du bist für keinen Stern, kein Glück geboren!», die Erinnerung an den bayrischösterreichischen Schnorrerkönig aus der Zwischenkriegszeit am Leben zu erhalten.

Mi 18.12. 19:30 Gotthard Fellerers TIRADEREIEN – SCHRÄG & GERADE.
Der Maler, Interakt-Künstler, Musikant, Publizist, Zeitungsherausgeber und mit Kunstpreisen überhäufter Perinetkellerfreund ist in den Provinzstädten des Ostens wie St.Pölten, Wr. Neustadt, Schwechat, Wien und Krems bekannt wie falsches Gold (Selbstkategorisierung). Fellerer ist zum zweiten mal im Keller, und wieder gilt es, eine neue Ausgabe seines beispiellosen Kunstmagazins BRAVDA zu feiern. Musikerkollege Hans Delanoy hat einschlägige Unterstützung angesagt.

Fr 20.12. 19:30 Live Konzert: Cigarettes and Chokolatemilkband. Das aus Andreas Haidecker (Gitarre), Philipp Kienberger (Bass) und Anna Anderluh (Gesang) bestehende, am liebsten unverstärkt spielende Trio kombiniert spielerisch freie Improvisation und Klassiker der Beatles, Neil Young, The Police und Rufus Wainwright. Dazwischen auch einmal ein ungekünstelt, einfühlsam oder auch eigenwillig gespielter Jazzstandard oder die Bluesklampfn. Ein Angebot, mit dem IODE-Team den Beginn der kurzen Kellerwinterpause zu feiern. Am 16.1. geht´ s wieder los!


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November 2019 im Keller

Fr 8.11. 19:30. Ausstellungseröffnung Ina Riegler. Die künstlerischen Arbeiten der Klagenfurterin stellen einen gemalten inneren Monolog dar, der ihre Rolle als Frau reflektiert. Sie ist eine Künstlerin, die lieber der Gesellschaft unmissverständlich feministische Aufträge erteilt, als dass sie selbst Aufträge entgegennimmt.

Di 12.11. 19:30. Der Wiener Soziologe Manfred Krenn stellt sein Buch vor: «Die Haare des Kaiman. Kuba – Nahaufnahmen einer desillusionierten Gesellschaft». Er erwartet eine spannende Diskussion über seine Thesen. Das Buch basiert auf intensiven Recherchen, Interviews und Alltagsbeobachtungen. Die analytischen Teile nehmen zentrale Probleme der kubanischen Gesellschaft in den Blick: Armut, Alltagsrassismus, Schwarzmarkt, Massentourismus. Dazu Kurzvideos, Mojito und zuletzt Musik abseits der Klischees.

Mi 13.11. 19:30. Peter Schaden zelebriert die neue FLUCH’T’RAUM-Ausgabe. Sinnstiftend für die Etablierung der Zeitschrift war die Migrationsthematik von 2015 ff. und das damit verbundene Unvermögen der Europäischen Union, mit sozialen Themen genauso solidarisch umzugehen wie mit wirtschaftlichen. Der Verleger Peter Schaden (edition fza) organisiert seit 1992 den Wiener Werkstattpreis für Literatur.

Fr 15.11. 19:30. «Sartres geheimster Schüler und die Revolutionärin». Aus dem Debüt-Roman Pan Papillons liest das wirklich-Quartett – bestehend aus dem Poetry-Slamer Martin Bachler, dem Schauspieler Marvin, der Künstlerin Tintorella Papillon und dem Autor selbst. Eine Reflexion über die Wirklichkeit, eine Weltreise für Revolutionär*innen, die Abrechnung mit Faschismus und Neoliberalismus und die Gründung einer Stäätin. Der Mensch ist Freiheit. Und Sartres geschlossene Gesellschaft in einem Kellerverlies mit Osama Bin Laden? Gehört sie zu seinem Sein dazu?

Do 21.11. 19:30. Die wundersamen Abenteuer des Nasreddin Kürtler. Die schrägste und kritischste Migrantenkomödie, die je nicht zustandekam! Mehmet Emir und Richard Schuberth zeigen im Perinetkeller noch einmal ihren Kurzfilm aus dem Jahr 2015. Letzterer, Regisseur und Autor, wird zudem Szenen aus dem (bereits 2002 entstandenen) Drehbuch und andere satirische Texte zum Rassismus der linksliberalen Kulturgourmets vorlesen. Danach Diskussion. Und Hauptdarsteller Mehmet Emir wird eigene Kurzfilme präsentieren.

Sa 23.11. 19:30. Das kleine Lazarett. Seit rund 20 Jahren dokumentiert des Wiener DIY-Kollektiv Early Morning Melody das musikalische Schaffen von Freunden und Nachbarn (unabhängig von ihrem Abstand zur Musikindustrie) und steckt dieses in prächtige Verpackungen. Zum Jubiläum zeigt das Label verschiedene Covers und ihren künstlerischen Ursprung mit Fotografie und Malerei von Klaus Pichler, Christian Qualtinger, G.R.A.M., Elsa Okazaki u.v.m. Dazu präsentieren Hirsch Fisch ihre aktuelle Single „Zweite Kassa bitte“.

Mo 25.11. 19:30. Über Fritz Zweigelt und die braune Wein-Prominenz – und über deren skandalöse Rehabilitierung in der zweiten Republik – im eben erschienenen Standardwerk zur Geschichte des österreichischen Weines. Am Podium: Willi Klinger, Herausgeber, österreichische Weinmarketing Ges.m.b.H; Robert Streibel, Mitglied der Historikergruppe, von der sich die ÖWM beraten lässt; Blauer Montag-Produzent Friedl Umschaid (Herrnbaumgarten, NÖ); eine Sprecherin des Instituts ohne direkte Eigenschaften. Ps: falls Sie Geschenke suchen: Den Blauen Montag gibt´s im Keller flaschenweise…


Der Perinetkeller ist das ehemalige Atelier der Wiener Aktionisten und wird seit Juni 2016 vom Institut ohne direkte Eigenschaften (IODE) ohne Subventionen betrieben. Spenden sind erwünscht. Kein Konsumzwang. Getränke gegen Spenden. Wir raten dringend, ein persönliches Glaserl mitzubringen – andernfalls droht der Plastikbecher. Klo am Platz (ca. 100 m).

 

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Nitsch im Perinetkeller

Am 20. September erschien Hermann Nitsch zum ersten mal seit 1967 (!) wieder in «seinem» Aktionisten-Kelleratelier in der Perinetgasse 1. Der Anlass war eine Buchpräsentation: Wolfgag Koch stellte seine Arbeit zur Theatertheorie des Erfinders des Orgien Mysterien Theaters vor («Finding Hermann Nitsch», Hollitzer Verlag). Befragt nach seinem Eindruck vom 52 jahre lang nicht mehr betretenen, aber seit damals fast unverändert gebliebenen Perinetkeller, bemängelte Nitsch die Musealität und die fehlende «Authentizität» des Kellers…

Alle Fotos: Copyright by Robert NEWALD Photographie, https://newald.at