Papenfuß im Perinetkeller!

Do 27. September

Papenfuß im Perinetkeller!
Bert Papenfuß (Foto: Ordu Oğuz)

Florian Neuner, Herausgeber der Literaturzeitschrift «Idiome. Hefte für Neue Prosa», hat sich beim Institut ohne direkte Eigenschaften einen Termin im Perinetkeller reservieren lassen. Er will dort Ende September die Nummer 11 seiner Zeitschrift präsentieren.  Schillerndster Autor des 11er-Heftes: der anarchistische Berliner Anti-Wessi und Kneipenwirt Bert Papenfuß. Neben der Wienerin Liesl Ujvary und der in Vorpommern lebenden Angelika Janz wird auch Papenfuß sich keine Lungenentzündung bei der Lesung im Ex-Aktionisten-Loch holen; so feucht, wie die Feinde des Kellers behaupten, ist er nicht.  Eine möglicherweise nicht folgenlose Grundfeuchtigkeit wird von den Perinetkellerleuten jedoch nicht geleugnet.

Der Berliner Papenfuß und der Wiener Perinetkeller werden auf Anhieb eine symbiotische Beziehung eingehen, die Biografie des DDR-Nestbeschmutzers lässt keinen Zweifel daran.  Seine Publikationsmöglichkeiten waren in der DDR, dem Land der Punk-Phobie und des Gartenzwergekults, sehr eingeschränkt, darum trug er seine Texte oft in Begleitung von Punk- und Rockbands vor. Er gründete Szenenkneipen wie «Torpedokäfer» oder «Rumbalotte», schrieb Bücher wie «Rumbalotte» und entwarf Untergrundzeitungen mit programmatischen Namen wie «Gegner» oder «Sklaven Aufstand».

Der in seiner Rundheit unübertreffbare Begriff Rumbalotte bedarf einer Ausschweifung, im mehrfachen Sinn des Wortes. Die Geschichte geht so. Kommt ein alter Mann zu einem Urologen. Der liest auf dem geschrumpelten Penis seines Patienten mit Erstaunen das Wort Rumbalotte. Gefragt, was das zu bedeuten habe, antwortet der alte Mann: er sei früher Matrose gewesen, und da habe man sich auf dem aufgerichteten Schwanz voller Stolz «Ruhm und Ehre der Baltischen Flotte» tätowieren lassen …

Vielleicht erzählt Bert Papenfuß eine andere Geschichte. Fix ist, dass er im Perinetkeller den Text aus dem Idiome-Heft – «Extrakte der letzten Tage» – liest, zu denen Mareile Fellien «Beweisbilder» zeigt. Auch Papenfuß ist ein Kramer-Preisträger; diese Auszeichnung wird alle zwei Jahre für «widerständige Literatur» vergeben, Namensgeber ist aber nicht der österreichische Exil-Dichter Theodor Kramer, sondern die Berliner Verlegerin Karin Kramer, die zusammen mit ihrem Lebensgefährten Bernd vorlebte, was Unkorrumpierbarkeit bis zum äußersten heißen könnte. Der Verlag der beiden 2014 verstorbenen Kramers publizierte z.B. einen Reprint der 16 Bände der anarchistisch-erkenntniskritischen Zeitschrift «Unter dem Pflaster liegt der Strand».

Moderator des Abends ist Florian Neuner. Der gebürtige Welser pendelt zwischen Wien und Berlin. Er ist Mitglied der Linzer Künstlervereinigung MAERZ und beschäftigt sich gegenwärtig mit kommunistischen und «kommunistischen» Stadtutopien.

Das Gesamtprogramm des Abends:

Angelika Janz spricht über ihre »Fragmenttexte«.

Liesl Ujvary gibt einen Einblick in ihr Projekt »Body & Tech«.

Bert Papenfuß präsentiert »Extrakte der letzten Tage«, zu denen Mareile Fellien »Beweisbilder« zeigt.

Angelika Janz, geb. 1952, lebt in Aschersleben/Vorpommern, zuletzt: Vorwärts mit Rückspiegel (Berlin: edition lesezeichen im Steffen Verlag 2013).

Bert Papenfuß, geb. 1956, lebt in Berlin, zuletzt: Ur-Rumbalotte. Opera Semiseria für Großes Besteck (mit Zeichnungen von Ronald Lippok, Schönebeck/Elbe: Moloko Print 2017)

Liesl Ujvary, geb. 1939, lebt in Wien, zuletzt: Sicher & Gut (Neuausgabe, Wien: Klever 2017)

Eine Kooperation mit der Grazer Autorinnen Autoren Versammlung und der MAERZ Künstler- und Künstlerinnenvereinigung, Linz

Donnerstag, 27. September
Perinetkeller, 1200, Perinetgasse 1
Beginn 19:30


Der Perinetkeller ist das ehemalige Atelier der Wiener Aktionisten und wird seit Juni 2016 vom Institut ohne direkte Eigenschaften (IODE) ohne Subventionen betrieben. Spenden sind erwünscht. Kein Konsumzwang. Getränke gegen Spenden. Wir raten dringend, ein persönliches Glaserl mitzubringen – andernfalls droht der Plastikbecher. Klo am Platz (ca. 100 m).