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Ein Denunziant größten Formates

25. November @ 19:30 - 21:30

Über Fritz Zweigelt und die braune Wein-Prominenz – und über deren skandalöse Rehabilitierung in der zweiten Republik – im eben erschienenen Standardwerk zur Geschichte des österreichischen Weines. Am Podium: Willi Klinger, Herausgeber, österreichische Weinmarketing Ges.m.b.H; Robert Streibel, Mitglied der Historikergruppe, von der sich die ÖWM beraten lässt; Friedl Umschaid (Winzer aus Herrenbaumgarten, NÖ, der sich am Experiment «Blauer Montag statt Zweigelt» beteiligte; eine Sprecherin des Instituts ohne direkte Eigenschaften.

Blauer Montag

Vor einem Jahr traf eine Pressekonferenz des Instituts ohne direkte Eigenschaften (IODE) im Perinetkeller auf buchstäblich weltweite Aufmerksamkeit. Thema war unser Protest gegen einen unmöglichen Namen für ein Produkt mit Charakter. Zweigelt, der Name für Österreichs meistexportierten Rotwein, wurde umso weniger zulässig, je mehr über den nationalsozialistischen Hintergrund des Klosterneuburger «Weinpapstes» Fritz Zweigelt bekannt wurde. Mit deutlichem Augenzwinkern führte IODE den Wunschnamen BLAUER MONTAG in die Debatte ein. Die Idee vom Recht auf Müßiggang war in dieser Namensvariante erkennbar.

In zeitlicher Parallelität nahm ein aus der Weinwirtschaft selbst kommendes Projekt Gestalt an, dessen Seriosität die Wiederholung des konservativen Vorwurfs gegen die IODE-Aktion, eine «unbedachte» Namensänderung gefährde die Marktposition des Zweigelt-Weines, unmöglich machte. ÖWM-Geschäftsführer Klinger hatte den FAZ-Journalisten und Experten für neue Weinwirtschaftsgeschichte, Daniel Deckers, beauftragt, den Stand der Zweigeltforschung zusammenzufassen. Unter anderem wertete Deckers als allererster Interessent die Volksgerichtsakte Zweigelts auf, die sich im Wiener Stadt- und Landesarchiv vollständig erhalten hat.

Viele überzeugte Nazis sollen im Alltag hilfsbereite, fast liebenswürdige Menschen gewesen sein. Bei Herrn Dr. Zweigelt tut man sich allerdings schwer, nach ähnlichen Ambivalenzen zu suchen. Am Tag, an dem die deutsche Wehrmacht in Österreich einmarschierte, ernannte ihn die NSDAP-Ortsgruppe Klosterneuburg zum Direktor der dortigen Bundeslehranstalt für Weinbau. «Kompetent» dafür erschien er nicht nur wegen seines Fachwissens (immerhin hatte seine Züchtung einer Kreuzung aus St. Laurent und Blaufränkisch einen nachhaltigen Erfolg), sondern auch wegen seiner bedingungslosen Unterordnung unter Hitlers Programm. Die Sprache des Weinpapstes, von Daniel Deckers zitiert aus der Zeitschrift «Das Weinland» im März 1938: «Unser aller Führer, Adolf Hitler, hat seine Heimat gerettet! Was wir Österreicher in diesen großen Tagen empfunden und erlebt haben, das kann nur der ermessen, der das grenzenlose Leid und die furchtbare Knechtschaft durch in volksfremdes System durch fünf lange, bittere Jahre mitgemacht hat. Aber wir Deutschen der Ostmark, seit Jahrhunderten zu kämpfen gewohnt, sind in diesen Jahren zu Stahl geworden und haben durchgehalten bis zu der für die ganze Weltgeschichte bedeutungsvollen Stunde der Befreiung.» Er gab seinem Mitkämpfer Robert Schlumberger recht, der damals betonte, mit der Vertreibung der Juden aus der Weinwirtschaft habe auch die Weinpantscherei ein Ende gefunden. Es sei ihm gelungen, schrieb Zweigelt im Jahre 1942, aus seiner Anstalt eine nationalsozialistische Hochburg zu machen. Zu diesem Zweck hatte er die christlich-sozialen Teile des Lehrkörpers aus der Institution gemobbt. Aus einem Polizeibericht nach der Befreiung Österreichs: In seinem «niederträchtigen Charakter» sei Zweigelt an die Spitze der Anstalt gelangt, indem er jene Lehrkräfte denunzierte, die berufen gewesen seien, die Leitung zu übernehmen. Wegen Hochverrats und Kriegshetzerei wurde er im Oktober 1945 verhaftet, aber schon im Dezember dieses Jahres war er schon wieder ein freier Mann bis zu seinem Tod 1964. Acht Jahre später hätte er seine stärkste Würdigung erlebt: die Aufnahme des «Zweigelt» in das offizielle Rebsortenregister.

Mildernd sei der Umstand gewesen, dass Dr. Zweigelt seine volksverhetzenden Reden immer nur vor kleinem Publikum gehalten habe, sagten österreichische Juristen.

Das gesamte Zweigelt-Kapitel:
https://www.oesterreichwein.at/fileadmin/user_upload/WiOEDG_Deckers_Zweigelt.pdf

Details

Datum:
25. November
Zeit:
19:30 - 21:30
Veranstaltungskategorie:

Veranstalter

IODE

Veranstaltungsort

Perinetkeller
Perinetgasse 1
Wien, 1200 Österreich
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